08.11.2010
Verkehrssicherung bei Schnee und Eisglätte

Qual der Wahl - Salz,Splitt,Sand oder was?

Um Schnee- und Eisglätte durch winterliche Witterung zu verhindern oder zu beseitigen gibt es eine Vielzahl von Mitteln. Diese besitzen einerseits Grenzen in der Wirksamkeit (Temperaturbereich), der Möglichkeit sie vorbeugend auszubringen, der Effektivität im Einsatz aber auch in der Schädigung der Umwelt (Korrosion, Grundwasserschädigung, Schädigung von Pflanzen und Tieren).

Daher gilt es diese Mittel sorgfältig unter Abwägung der Umstände auszuwählen, den Zeitraum und die Bedingungen für einen optimalen Einsatz zu beachten. Feste Auftaumittel können bereits vorbeu-gend ausgebracht werden, um ein Festfrieren des Niederschlags und Eisbildung zu verhindern.

Welche Mittel kommen zum Einsatz?
a. Natrium-, Kalzium- oder Magnesiumchlorid;
b. Harnstoff;
c. abbaubare niedere Alkohole;
d. Natrium- oder Kaliumformiat;
e. Natrium- oder Kaliumacetat.

f. Abstumpfende Mittel:
Splitt, Sand, Asche, Sägemehl, Blähtongranulat ...

Das übliche, kostengünstige Natrium-Chlorid („Kochsalz“ bzw. „Streusalz“) führt zur Korrosion von Metallen (Bewehrung in Beton) und greift umgewandelt in Salzsäure langfristig auch kalkgebunden Steine (Beton) an. Darüber hinaus werden auch Pflanzen geschädigt, wenn das salzhaltige Auftauwasser ins Erdreich gelangt.

Um die Korrosion an Bauwerken (Brücken, Parkhäuser) und Fahrzeugen (Flugzeuge) zu vermeiden wird daher häufiger das teurere Acetat / Formiat verwendet.

Harnstoff wirkt nicht korrosiv, wirkt aber nur bei geringem Frost. Es belastet das Grundwasser, da es in Nitrat umgewandelt wird, da der Harnstoff in der Ruheperiode nicht von Pflanzen aufgenommen und umgewandelt werden kann.

Die niedrigen (teueren) Alkohole werden überwiegend zur Enteisung von Flugzeugen eingesetzt. sie wirken auch bei mittleren Minusgraden. Auf geneigten Verkehrsflächen besteht allerdings die Gefahr, dass die Lösung abläuft ohne ausreichende Wirkung zu zeigen.

Umweltfreundliche Auftaumittel
Bereits seit 1990 ist der Winterdienst des Flughafens Frankfurt auf das biologisch leicht abbaubare, stickstofffreie Auftaumittel Kaliumacetat zur Enteisung der Start- und Landebahnen sowie Flugbetriebsflächen umgestiegen. Grund hierfür war der frühere Gebrauch von stickstoffhaltigen Auftaumitteln, der zu einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers führte. Seit 2000/2001 wird das noch umweltfreundlichere Kaliumformiat als Flächenenteisungsmittel angewandt.
Neue Technik.
Die Verteilung der festen Auftaumittel in Kornform durch Streuteller führt zu einem punktuellen Wir-ken rund um das ausgebrachte Streukorn. Neue Enteisungsgeräte verteilen nicht das trockene Streumittel auf den Boden, sondern eine flüssige Lösung auf den Straßen. Positiver Effekt neben ei-ner gleichmäßigeren Wirkung ist auch, dass weniger Streugut verbraucht wird.

Vorraussetzung für eine gute Wirkung der eingesetzten Mittel ist jedoch, dass schneebedeckte Flächen mechanisch geräumt werden, bevor Auftaumittel eingesetzt werden.

Abstumpfende Mittel:
Wirken nur, wenn diese an der Oberfläche verbleiben. Ein wesentlicher Nachteil ist, dass die Mittel nach dem Abtauen wieder zusammengekehrt und entfernt werden müssen. Sie werden auch mit den Schuhen ins Gebäude eingetragen und sorgen so für Verschmutzung. Weiter besteht die Gefahr, dass Abflüsse durch abgeschwemmtes Material verstopft werden. Splitt und Sand versinken im Schnee, so dass die abstumpfende Wirkung bei anhaltendem Schneefall verloren geht.
Blähtongranulat, welches durch das geringe spezifische Gewicht auch auf Wasser an der Oberfläche verbleibt, ist von Vorteil, da es über längere Zeit (bei überfrierender Nässe) wirksam bleibt. (z.B. http://www.liapor.com/de/mitteilung.php?nr=2)

Rechtliche Aspekte
Der Begriff "Verkehrssicherungspflicht" beschreibt allgemein einen Handlungsbedarf, um vorhandene Gefahrenquellen zu sichern. Ziel ist, das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit eines jeden Men-schen zu wahren (Grundgesetz, Art. 2). Wer vorsätzlich oder fahrlässig dem zuwider handelt, der wird dem Verletzten schadenersatzpflichtig (BGB §823).

Zur Verkehrssicherungspflicht gehört auch der winterliche Räum- und Streudienst bei Eis- und Schneeglätte. Dabei ist für Wege zunächst der Eigentümer selbst verantwortlich. Kommunen als Eigentümer haben jedoch die Möglichkeit nach Landes- und Kommunalrecht, per Verordnung und Sat-zung die Räumpflichten auf den Anlieger zu übertragen. Die letztlich verantwortliche Person kann die Räum- und Streuarbeiten auch an Dritte vergeben. Sie bleibt aber verantwortlich und muss die Leistung in geeigneter Weise überwachen.
Räum- und Streuarbeiten haben rechtzeitig zu erfolgen. Der Umfang kann aber nicht allgemeingültig festgelegt werden und hängt vom Einzelfall ab. Dabei sind die Verkehrsbedeutung des Weges, die Gefährlichkeit der Glätte und die Zumutbarkeit der Sicherungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Zudem sind kommunal unterschiedliche Forderungen zu berücksichtigen.
Verstößt jemand gegen seine Verkehrssicherungspflicht, so dass jemand zu Schaden kommt, wird er zivilrechtlich für den entstandenen Schaden haftbar gemacht. Strafrechtlich kann eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung erfolgen. Wenn niemand zu Schaden gekommen ist, so ist immer noch ein Bußgeld möglich.
Über die Verpflichtung des Grundstückseigentümers über die Maßnahmen zur Verkehrssicherung, müssen Sie sich in der jeweiligen Stadt-/ Gemeindeverordnung informieren. Der Ein-satz von Salz ist inzwischen weitgehend eingeschränkt.
In der jeweiligen Stadt-/ Gemeindeverordnung ist verbindlich festgelegt
• welche Mittel zur Beseitigung von Schnee- und Eisglätte eingesetzt werden dürfen,
• in welchem Zeitraum Verkehrswege geräumt und gestreut werden müssen.

Neben dem Grundstückseigentümer haftet auch der, durch den Grundstückseigentümer beauftragte Winterdienst, bei Streupflicht. Um entsprechende Regressforderungen abwenden zu können ist der Abschluss einer entsprechenden (Grundstückseigentümer- bzw. Betriebs -) Haftpflichtversicherung empfehlenswert.

Links:
http://www.finanztip.de/recht/a/streupflicht.htm